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Kunstreise 2011

Reisen bildet – und kann darüber hinaus begeistern. So die diesjährige Kunstreise des Vereins Konzerte an St. Andreas vom 26. – 28. August nach Mecklenburg- Vorpommern, kenntnisreich geführt von Martin Weller. Einige Höhepunkte:

Ludwigslust, ab Mitte des 18. Jahrhunderts unter Herzog Friedrich dem Frommen aus einem unbedeutenden Dorf planvoll zur Hauptresidenz Mecklenburg-Schwerins gestaltet, beeindruckt nicht nur durch seine alten Straßenzüge. Einmalig dürfte die heutige Stadtkirche sein, 1770 fertig gestellt, noch vor dem Residenzschloss. Außen ein Tempel mit breit gelagerter Vorhalle auf sechs Säulen, ist der helle große Innenraum noch barock. Der Klassizismus hat sich aber bereits an den Seitenwänden mit seinen tuskischen Säulen hinein geschoben. Erstaunlich ist das Monumentalgemälde an der gewölbten Altarwand. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man: es besteht aus einem oberen Teil und einem um 6 Meter vorgezogenen unteren Teil. Dazwischen befindet sich verborgen die große Orgel mit über 2000 Pfeifen! Und nochmals verblüffend: Ebenso wie im Residenzschloss besteht das prachtvolle Dekor nicht aus Marmor oder Stuck, sondern aus Pappmaché! Eine Spezialität aus der damals florierenden „Ludwigsluster Carton-Fabrique“.

Auf dem Programm des ersten Tages stand anschließend ein Besuch der herausragenden Gemäldesammlung des Staatlichen Museums Schwerin mit der aktuellen Sonderausstellung „Sommergäste“. In dieser werden derzeit Bilder bedeutender Maler, unter ihnen Lovis Corinth, Erich Heckel, Edward Munch, Ernst Wilhelm Ney, Kurt Schwitters u.a. ausgestellt, die ihre Ostseeimpressionen bildnerisch festgehalten haben.


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Der zweite Tag widmete sich der Entdeckung der etwas abseits gelegenen Stadt Güstrow. Höhepunkte der Stadtführung waren das Renaissanceschloss und der Dom, dem nicht nur der stilistische Übergang von der Romanik zur Gotik eine ganz eigene Spannung verleiht, sondern auch die Präsentation einiger Werke Ernst Barlachs, besonders des „Schwebenden“ im nördlichen Seitenschiff.

Eine Stippvisite führte nach Heiligendamm, der „weißen Stadt am Meer“, die als „klassizistisches Gesamtensemble“ erhalten ist. Schwerpunkt war danach Bad Doberan mit seinem Münster und den weiteren zivilisatorisch grundlegenden Bauwerken der Zisterzienser - allesamt großartige Zeugnisse der Siedlungsgeschichte des Mecklenburgischen Raums.

Der Rückreisetag begann mit dem Besuch des Havelberger Doms mit seinem gewaltigen Westwerk aus dem 10. Jahrhundert. Hoch über Havel und Elbe eröffnet sich zudem der Blick auf das Flusstal und die historische Stadtanlage.

Die alte Hansestadt Tangermünde mit seinem barocken Fachwerk, seiner Burg und der Stephanskirche war die nächste Station auf der Kulturreise. Unmittelbar an der Mündung des Tanger in die Elbe auf einer felsigen Endmoräne gelegen, ist die Stadt ein herausragendes Beispiel mittelalterlicher Festungsbaukunst.


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Der Abschluß in der historistischen St. Marienkirche von Siegersleben war ein besonderer Genuss. In dem, mit Mitteln der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz restaurierten Gotteshaus, lauschten wir einem prachtvollen Konzert der Norddeutschen Barocksolisten mit Martin Weller als Solisten.

Diese Reise, die auch durch kulinarische Angebote zu gefallen wusste, eröffnete neue Sichtweisen und bietet Anlass zur Vorfreude auf die Kunstreise des nächsten Jahres, die die Kulturgeschichte der preußischen Streusandbüchse beleuchten wird.