Die nächste Veranstaltung:

KONZERT 1 am 06. Juni 2012
Antonio Vivaldi, Carl Philipp Emanuel Bach, Georg Philipp Telemann, Wolfgang Amadeus Mozart
Komponisten auf der Zeitleiste
Wünschen Sie mehr Information
Nehmen Sie einfach Kontakt mit
uns auf! Wir beantworten gern
Ihre Fragen.

3. Abonnementkonzert 2011

Mittwoch, 14. September 2011, 20.00 Uhr

Diese Werke erwarten Sie
(1805-1847)
Ouvertüre in C-Dur
(1756-1791)
Klavierkonzert d-Moll KV 466
Allegro
Romance
Allegro assai
(1809-1847)
Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 56 „Schottische“
Andante con moto - Allegro poco agitato
Vivace non troppo
Adagio
Allegro guerriero vivacissimo - Allegro maestoso assai
Mitwirkende
Staatsorchester Braunschweig
Rudolf Buchbinder
Alexander Joel
Klavier
Dirigent
Werkbeschreibungen
Fanny Mendelssohn wuchs in einer ausgesprochen kunstsinnigen Familie auf. Fanny (1805-1847) war dreieinhalb Jahre älter als ihr berühmter Bruder Felix. Beide genossen eine gründliche musikalische Ausbildung, sie erhielten schon früh fundierten Klavierunterricht bei den Beethoven-Verehrern Marie Bigot in Paris und später bei Ludwig Berger in Berlin. 1819 wurden die Geschwister Kompositionsschüler von Carl Friedrich Zelter, dem Leiter der Berliner Singakademie. Eine besondere Chance, ihre Kompositionen aufgeführt zu erleben, boten die Sonntagskonzerte, die die Familie Mendelssohn in ihrem Hause veranstaltete. Was das weibliche Rollenverständnis angeht, wurde Fanny bereits als Heranwachsende von ihrem Vater auf ihre Zukunft vorbereitet. Im Juli 1820 mahnte er die 14-Jährige, ihre musikalischen Ambitionen nicht zu weit zu treiben und stets daran zu denken, dass sie später Hausfrau und Mutter sein würde. Offenbar hat Fanny sich diesem Wunsch gefügt – doch hat dies in ihrem späteren Leben „zu starken inneren Konflikten und resignativen Phasen“ geführt, wie Monika Schwarz-Danuser in einer Studie schreibt. 1829 heiratete Fanny den Maler Wilhelm Hensel. Ihr Ehemann stand ihrer Kompositionstätigkeit wesentlich offener als ihr Vater und ihr Bruder gegenüber. So hat Fanny eine Vielzahl ihrer Kompositionen veröffentlichen können. Die Ouvertüre C-Dur gehört nicht dazu, sie blieb ungedruckt. Entstanden ist sie 1832 und wurde bei einem der Sonntagskonzerte 1834 unter dem Dirigenten Justus Amadeus Lecerf uraufgeführt. Ähnlichkeiten mit Felix Mendelssohns Konzertouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt“ sind gewiss nicht zufällig. In moderner Zeit erlebte diese Ouvertüre ihre Erstaufführung am 7. Juni 1986 mit dem Clara-Schumann-Orchester unter Elke Mascha Blankenburg in der Frankfurter Alten Oper.
Nur zwei der 21 Klavierkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) stehen nicht in einer Durtonart: das d-Moll-Konzert KV 466 und das c-Moll-Konzert KV 491. „Mozarts Moll-Werke sind ja so selten, dass uns ihr plötzliches Erscheinen aufhorchen und nach einem bestimmten Beweggrund fragen lässt: Warum gerade hier?“ schreibt Wolfgang Hildesheimer in seinem Mozart-Buch, ohne darauf eine Antwort zu finden. Vielleicht hat gerade diese Sonderstellung die Moll-Werke so populär gemacht. Auf keinen Fall haben sie einen konventionell-heiteren Ton, sondern loten immer wieder auch existenzielle Fragen aus. Das d-Moll-Klavierkonzert besitzt einzig in den Rahmenteilen des zweiten Satzes, der Romanze, einen empfindsam-unterhaltenden Stil. Um so dämonischer ist der Mittelteil dieser Romanze angelegt. In ihrer Dramatik und Leidenschaftlichkeit verweist die Musik der Ecksätze deutlich auf Beethoven voraus. Die Synkopen des Beginns im ersten Satz (Allegro), die scharfen Akzente in den Bläsern und der wehmütig klagende Ton des Klavier-Soloeinsatzes heben sich scharf ab von einer konventionellen Schreibart, die als Hintergrund zu aristokratischem Salon-Geplänkel fungierte. Und auch das rasche Schluss-Rondo (Allegro assai) ist beileibe kein fröhlicher Kehraus, wie es sonst in diesem Genre vielerorts üblich ist. Die Uraufführung am 11. Februar 1785 in Wien war finanziell so erfolgreich, dass Mozart mit den Einnahmen eines Abends die Jahresmiete seiner damaligen Wohnung in der Schulerstraße begleichen konnte und noch einen gehörigen Batzen Geld übrigbehielt. Eine andere Form der Anerkennung aber dürfte ihm wichtiger gewesen sein. Am Tag nach der Uraufführung war Joseph Haydn zu Gast bei Mozarts Vater und bekannte: „Ich sage Ihnen vor Gott, als ein ehrlicher Mann, Ihr Sohn ist der größte Componist, den ich von Person und dem Namen nach kenne; er hat Geschmack, und überdieß die größte Compositionswissenschaft.“
Die ersten musikalischen Einfälle zu seiner „schottischen“ Symphonie erwähnt Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) in einem Brief an seine Familie vom 30. Juli 1829 aus Edinburgh: „In der tiefen Dämmerung gingen wir heut nach dem Palaste, wo Königin Maria [Stuart] gelebt und geliebt hat; es ist da ein kleines Zimmer zu sehen, mit einer Wendeltreppe an der Tür; da stiegen sie hinauf und fanden den Rizzio im kleinen Zimmer, zogen ihn heraus, und drei Stuben davon ist eine finstere Ecke, wo sie ihn ermordet haben. Der Kapelle daneben fehlt nun das Dach, Gras und Efeu wachsen viel darin, und am zerbrochenen Altar wurde Maria zur Königin von Schottland gekrönt. Es ist da alles zerbrochen, morsch, und der heitere Himmel scheint hinein. Ich glaube, ich habe heut da den Anfang meiner schottischen Symphonie gefunden.“ In der Tat spiegelt sich die düstere Stimmung dieser Schlossbesichtigung – die man heutzutage durchaus noch so erleben kann wie 1829, das Gemäuer ist weiterhin morsch, in der Kapelle wächst immer noch Gras – in Mendelssohns Symphonie, wenn man mit etwas Phantasie der Musik nachhorcht. Der erste Satz, ein Allegro un poco agitato, dem eine Andante con moto-Einleitung vorausgeht, steht in seiner Thematik den „Liedern ohne Worte“ Mendelssohns nahe. E s geht recht stürmisch und gewittrig zu – was für den schottischen Sommer bis heute charakteristisch ist. Heiterer gestimmt ist der zweite Satz, ein Scherzo (Vivace non troppo), in dem Mendelssohn eine Dudelsackmelodie nach schottischer Art verwendet. Die Düsternis des Kopfsatzes trübt auch noch hier und da den innig gesangvollen langsamen Satz (Adagio). Erst im Finale (Allegro vivacissimo) wird mit kraftvollen Rhythmen jene „zerbrochen morsche“ Stimmung des Briefes gänzlich überwunden. Der Musikkenner Heinrich Heine hörte 1844 eine Aufführung der Symphonie in Paris und urteilte im Gegensatz zum Publikum, das nach seinem Bericht das Werk „sehr frostig, ja mit empörender Kälte aufgenommen“ hatte: „Namentlich ist der zweite Satz und das dritte Adagio in A-Dur charaktervoll, und mitunter von ächter Schönheit. Die Instrumentation ist vortrefflich, und die ganze Symphonie gehört zu Mendelssohns besten Arbeiten.“